Rennleitung: Zeitstrafe für neun Fahrer
Valencia (dpa) - Knapp drei Stunden nach dem Großen Preis von Europa hat die Rennleitung neun Formel-1-Piloten nachträglich mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden belegt.
Ihnen war vorgeworfen worden, die zulässige Geschwindigkeit hinter dem Safety Car überschritten zu haben. Am meisten profitierte Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der von Platz zwölf auf zehn rutschte und noch einen Punkt holte. Außerdem rutschte der Schweizer Sebastian Buemi mit seinem Toro Rosso hinter Ferrari-Pilot Fernando Alonso aus Spanien auf Rang neun.
Rosberg am Geburtstag stinkig: "Alles Käse!"
Eine Waldbeertorte und ein Ständchen von Lewis Hamilton und Jenson Button ("Happy Birthday, dear Britney!") waren für Nico Rosberg die Highlights an seinem 25. Geburtstag. Eigentlich wollte er sich selbst auch mit ein paar WM-Punkten beschenken, doch davon war das Mercedes-Team heute in Valencia zu jedem Zeitpunkt meilenweit entfernt.
"Da ging gar nichts", ärgert sich Rosberg. "Ich habe auch den Grip nicht gefunden, den ich mir erhofft hatte. Das war genauso schlecht wie im Qualifying. Ich habe Glück, dass ich bis zum Ende des Rennens gekommen bin, denn normal hätte ich mit meinen Bremsen schon 20 Runden vor Schluss an die Box fahren müssen. Die Bremsen haben es nicht bis zum Ende geschafft und ich musste ganz vorsichtig mit ihnen umgehen. Dadurch war ich nur am Rumeiern."
"Dann hat noch mein Hintern gebrannt, weil irgendwas Heißes im Auto war. Das haben sie das ganze Wochenende nicht in den Griff gekriegt. Auch deswegen musste ich schon fast an die Box fahren, weil es so wehgetan hat", schimpft der Deutsche und lässt seinem Ärger freien Lauf: "Alles Käse! Es hat echt nicht so viel Spaß gemacht." Letztendlich kam er als Zwölfter ins Ziel, 44,3 Sekunden hinter Sieger Sebastian Vettel.
Dass er in den letzten Runden nicht ausstieg, lag nur daran, dass er noch testen wollte: "Wir haben etwas über die Bremsen gelernt und vielleicht gibt es auch noch ein paar Punkte, denn viele waren zu schnell", spielt er die möglichen Strafen für neun Fahrer an. "Wenn ich solche Rennen habe, fange ich immer an, ein bisschen rumzuspielen mit meinem Zeug im Cockpit, um noch ein paar Sachen zu lernen. Das hat schon ein bisschen was gebracht."
Sauer ist er auch auf jenen Force-India-Piloten, der ihn am Start abgedrängt hat: "Ich weiß nicht, ob es Adrian oder Liuzzi war, aber es war eine sehr doofe Aktion, denn ich musste raus, sonst wäre er in mich reingefahren. Katastrophe - da habe ich viele Plätze verloren. Sonst lag ich eigentlich gar nicht schlecht", gibt der Mercedes-Fahrer zu Protokoll und meint achselzuckend: "Ich habe schon bessere Geburtstage erlebt!"
Während Michael Schumacher sofort zu Teamchef Ross Brawn eilte, um eine Krisensitzung abzuhalten, verarbeitete Rosberg seinen Frust vor dem Fernseher beim Achtelfinalspiel zwischen Deutschland und England: "Jetzt wird mitgefiebert und mitgesungen bei der Nationalmannschaft!" Zumindest das hat am Geburtstag funktioniert, denn Joachim Löws DFB-Elf setzte sich gegen die "Three Lions" mit 4:1 durch...
Schumacher: Als Reizfigur noch immer unschlagbar
Valencia (dpa) - Für Siege taugt Michael Schumacher bislang nicht, als Reizfigur ist der Formel-1-Rekordweltmeister aber noch immer unschlagbar. Seine schlechte Qualifikation im bisherigen Comeback-Jahr mit Platz 15 interessierte in Valencia mehr als die Pole Position von Sebastian Vettel.
Kritiker fühlten sich in ihren Zweifeln an Schumacher bestätigt. Spekulationen machten die Runde, Mercedes GP könne den 41-Jährigen schon bald wieder zurück in die Rente schicken. Doch Schumacher ist niemand, der schnell resigniert. «Wir sind Kämpfer», sagte er. «Ich bin schon lange genug dabei und hatte schon schlimmere Schmerzen.» Natürlich sei er nicht über einen Platz 15 glücklich. «Sobald es aber Fortschritte gibt - und die werden kommen, da bin ich mir sicher -, wird die Belohnung dann umso verdienter sein.»
Er denke aber nicht kurzfristig und von Rennen zu Rennen. «Ich habe ein Drei-Jahres-Programm», meinte der siebenmalige Champion. «Natürlich dachten wir, wir würden näher dran und in einer besseren Position in diesem Jahr sein, aber das ist nicht der Fall.» Sie müssten die Probleme jetzt verstehen und sich aus der Situation rausarbeiten. «Dafür sind wir da.»
Die Frage ist: Wie viel trägt Schumacher zu dieser schwierigen Situation der Silberpfeile bei und wie viel Mercedes? In den drei Jahren, in denen Schumacher den Vorruhestand testete, hat sich die Formel 1 geändert. Reifen, Wagen, Reglement - er hatte seit seiner Unterschrift bei Mercedes Ende 2009 nur wenig Zeit, sich darauf einzustellen.
Zudem ist das Niveau der Fahrer wesentlich höher als früher. Schumacher fährt gegen zum Teil wesentlich jüngere Konkurrenten, die ihm in puncto Professionalität, technisches Verständnis und Fitness in nichts nachstehen. In Nico Rosberg hat er einen aus dieser neuen Generation in seinem Team - und der 16 Jahre jüngere Pilot war bislang dem Altmeister voraus.
Andererseits ist Mercedes GP mit dem MGP W01 nicht der große Wurf gelungen. Vor allem das Zusammenspiel mit den Reifen ist ein größeres Rätsel als bei anderen Teams. McLaren, Red Bull und auch Ferrari hatten von Beginn an einen technischen Vorsprung, den die Silbernen nur schwer aufholen können. Zumal sie mit einem kleineren Team als die Konkurrenz antraten.
«Unser Auto hat Potenzial. Es ist nur nicht in Harmonie mit den Reifen», sagt Schumacher. Aerodynamische Verbesserungen wie in Valencia werden durch den Ärger mit den Pneus verdeckt. Selbst Schumachers Weltmeister-Macher, Teamchef und «Superhirn» Ross Brawn hat noch keine Lösung parat.
Offiziell will - oder darf - niemand bei Mercedes das WM-Jahr abhaken. Doch nach vorn wird nur noch wenig gehen. 2011 ist das große Ziel. Dann auch weiter mit Michael Schumacher - und nicht wie eine italienische Webseite unsinnigerweise meldete, mit Renault-Pilot Robert Kubica. «Wir haben nicht mit Robert gesprochen», versicherte Brawn. «Wir sind glücklich mit Michael.» Auch wenn der Titelkampf in diesem Jahr so spannend wie selten zuvor ist, ohne Schumacher würde der Formel 1 ihre größte Reizfigur fehlen.
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