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Ferrari enttäuscht: Bitterer Beigeschmack

Das Ferrari-Team schäumte nach dem Großen Preis von Europa vor Wut. Fernando Alonso bezeichnete das Rennen als "manipuliert", weil Lewis Hamilton direkt vor ihm das Safety-Car unerlaubt überholte, während er sich brav anstellte. Am Ende belegte der Spanier Position acht, Hamilton wurde trotz Durchfahrstrafe Zweiter. Teamkollege Felipe Massa ging als 13. sogar leer aus.

"Das Rennen wurde durch das Safety-Car und alles, was danach folgte, ruiniert", so Alonso. "Ich bin für die tausenden Zuschauer enttäuscht, die heute hier waren und sahen, wie mit dieser Situation umgegangen wurde. Ich bin über das, was heute passiert ist, sehr verbittert."

"Ich lag zu dem Zeitpunkt, als das Safety-Car auf die Strecke kam, auf dem dritten Platz, einen Meter hinter Hamilton. Bei der karierten Flagge war er Zweiter und ich war Neunter (durch die verhängten Strafen nachträglich Achter; Anm. d. Red.), auch wenn wir dieselbe strategische Wahl getroffen hatten. Die Strafe, welche erteilt wurde, wurde verhängt, da sie auf die Positionen im Ziel nicht mehr wirklich einen Einfluss hatte."

"Von da an war mein Rennen beeinträchtigt. Ich befand mich immer im Verkehr und konnte nicht die Leistung zeigen, die ich von den harten Reifen erwartet hatte. Dies erklärt auch die Schwierigkeiten, die ich hatte, im ersten Rennabschnitt an Sutil und dann an Buemi vorbeizukommen."

"Für uns ist dies definitiv ein schlechtes Ergebnis. Aber ich bleibe immer noch dabei, dass wir am Ende in Abu Dhabi abrechnen werden. Zwischenfälle, die wir nicht kontrollieren können, werden wir gutzumachen. Wir müssen weiterhin hart arbeiten und bei der Entwicklung des Autos Druck machen, um zu versuchen, das schnellste Auto auf der Strecke zu haben."

"Ein weiteres schreckliches Rennen nach jenem in Kanada", so Massa. "Wir lagen auf den Plätzen drei und vier, hatten Autos, die in der Lage waren, ein großartiges Ergebnis zu erzielen. Stattdessen hat jeder gesehen, wie es geendet ist."

"In der Runde, als der Unfall passierte, kamen wir durch die letzte Kurve und dort war nichts. Dann plötzlich tauchte das Safety-Car auf der Strecke auf. Ich sah in den Spiegeln, dass die Autos hinter uns an die Box kamen. In diesem Moment löste sich unsere Chance, um das Podium zu kämpfen, in Rauch auf."

"Der Unterschied zwischen uns und Hamilton ist jener, dass er sich einen Regelverstoß erlaubte und wir nicht. Aber die Strafe gegen ihn hat auf sein Ergebnis keine Auswirkung. Ich denke, dass bei der Art und Weise, wie mit dieser Situation umgegangen wurde, Fehler gemacht wurden."

"Von da an war unser Rennen praktisch eine lange Prozession im Verkehr. Wir hatten keine Chance, daran etwas zu ändern. Das ist wirklich schade, denn heute hätten wir wirklich gut abschneiden können."

"Der Ausgang des Rennens hinterlässt bei uns einen sehr bitteren Beigeschmack", so Teamchef Stefano Domenicali. "Wir hatten alles, was wir benötigten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Am Ende hatten wir lediglich eine Hand voll Punkte, was sogar noch weniger ist, als wir vor einem Monat aus unserem schlechtesten Rennen aus der Türkei mitgenommen hatten."

"Das ist wirklich eine Schande, denn während des Wochenendes haben wir gezeigt, dass wir in Bezug auf die Leistung einen guten Schritt nach vorn gemacht haben. Auch die erste Phase des Rennens sah viel versprechend aus."

"Dann kam der unglückliche Niederschlag, der mit der Safety-Car-Phase in Verbindung stand. Diese kam für uns zum schlechtesten Moment überhaupt, denn beide Autos waren gerade an der Einfahrt der Boxengasse vorbeigefahren. Aus diesem Grund waren wir gezwungen, eine volle Runde hinter dem Safety-Car zu fahren. Das hat definitiv unser Rennen beeinträchtigt."

"Dieser Zwischenfall in Bezug auf die Neutralisierung wirft ein paar Fragen auf, wie man mit Situationen wie diesen und den damit verbundenen Strafen schlussendlich umgeht. Wir müssen sicherstellen, dass unserer Sport in den Augen der Beteiligten und jenen, die ihn an der Strecke und zuhause am TV-Bildschirm verfolgen, glaubwürdig bleibt."

"Wir sind über den Ausgang dieses Rennens sehr enttäuscht", so Chefingenieur Chris Dyer. "Die Ankunft des Safety-Cars auf der Strecke ruinierte ein Rennen, das für uns hätte sehr gut werden können, bedenkt man das Potenzial, das uns zur Verfügung stand."

"Es ist sehr, sehr schwierig, auf dieser Strecke zu überholen. Aus diesem Grund wurde unser Rennen durch einen nicht begeisternden Vorfall wie eine Safety-Car-Periode total beeinträchtigt. In Bezug auf die Leistung hat dieses Wochenende gezeigt, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht haben. Aber gleichzeitig haben wir noch eine Menge Arbeit zu erledigen, um dort zu stehen, wo wir hin möchten."

Schumacher kritisiert: «Rennen zerstört»

Valencia (dpa) - Michael Schumacher hat die Strategie seines Formel-1-Teams Mercedes GP im Großen Preis von Europa verteidigt und zugleich die Rennleitung kritisiert.

«Wir wollen Klarheit über die Situation mit dem Safety Car haben», sagte er nach seinem 15. Platz in Valencia. «Denn die rote Ampel beim Ausgang nach meinem ersten Boxenstopp hat ein Rennen zerstört, das uns ansonsten sehr gute Möglichkeiten geboten hätte.» Die Strategie sei richtig gewesen, «denn wir haben eine Chance genutzt, die uns nah ans Podium hätte bringen können».

In der Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Red-Bull-Pilot Mark Webber war Schumacher in der zwölfte Runde an Platz drei liegend an die Box zum Reifenwechsel beordert worden.

Als der 41-Jährige wieder rausfahren wollte, stoppte ihn auf Geheiß der Rennleitung eine rote Ampel. Er musste so lange warten, bis das gesamte Feld mit dem Safety-Car-Wagen an der Spitze an ihm vorbeigefahren war und er sich am Ende wieder einreihen durfte. Ohne den Zwangsstopp hätte sich der siebenmalige Champion hinter dem zweitplatzierten McLaren-Piloten Lewis Hamilton, aber noch vor dem weit zurückliegenden Japaner Kamui Kobayashi wieder einfädeln können.

«Unser Standpunkt ist, dass das Safety Car an der Boxengasse vorbei war, ohne die Autos hinter sich aufgereiht zu haben und dass es dann keine rote Ampel geben dürfte», erklärte Schumacher.

Auch sein Teamchef Ross Brawn hatte kein Verständnis für die Entscheidung der Rennkommissare: «Hinter dem Safety Car hatte sich noch keine Schlange gebildet, aber die Boxengasse sollte nicht geschlossen sein, bis sich eine Schlange bildet», sagte er dem Pay-TV-Sender Sky.

Ein Protest sei nicht möglich, sagte Brawn später. «Die Rennleitung will sich aber mit dem Fall befassen.» Am Ergebnis wird sich jedoch nichts mehr ändern, unabhängig von den Ein- und Ansichten der Kommissare.

Schumacher durfte sich immerhin mit Deutschlands 4:1-Sieg gegen England im WM-Achtelfinale trösten. «Wenigstens hatte das deutsche Fußball-Team keine solchen Schwierigkeiten. Ich habe die zweite Halbzeit sehen können, und ich bin sehr glücklich über das Ergebnis», schrieb Schumacher auf seiner Webseite. «Die Art, wie die Jungs gespielt haben, war einfach klasse, so voller Motivation und Passion - was für ein starkes Spiel, Glückwunsch!»