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Schumacher: Als Reizfigur noch immer unschlagbar

Valencia (dpa) - Für Siege taugt Michael Schumacher bislang nicht, als Reizfigur ist der Formel-1-Rekordweltmeister aber noch immer unschlagbar. Seine schlechte Qualifikation im bisherigen Comeback-Jahr mit Platz 15 interessierte in Valencia mehr als die Pole Position von Sebastian Vettel.

Kritiker fühlten sich in ihren Zweifeln an Schumacher bestätigt. Spekulationen machten die Runde, Mercedes GP könne den 41-Jährigen schon bald wieder zurück in die Rente schicken. Doch Schumacher ist niemand, der schnell resigniert. «Wir sind Kämpfer», sagte er. «Ich bin schon lange genug dabei und hatte schon schlimmere Schmerzen.» Natürlich sei er nicht über einen Platz 15 glücklich. «Sobald es aber Fortschritte gibt - und die werden kommen, da bin ich mir sicher -, wird die Belohnung dann umso verdienter sein.»

Er denke aber nicht kurzfristig und von Rennen zu Rennen. «Ich habe ein Drei-Jahres-Programm», meinte der siebenmalige Champion. «Natürlich dachten wir, wir würden näher dran und in einer besseren Position in diesem Jahr sein, aber das ist nicht der Fall.» Sie müssten die Probleme jetzt verstehen und sich aus der Situation rausarbeiten. «Dafür sind wir da.»

Die Frage ist: Wie viel trägt Schumacher zu dieser schwierigen Situation der Silberpfeile bei und wie viel Mercedes? In den drei Jahren, in denen Schumacher den Vorruhestand testete, hat sich die Formel 1 geändert. Reifen, Wagen, Reglement - er hatte seit seiner Unterschrift bei Mercedes Ende 2009 nur wenig Zeit, sich darauf einzustellen.

Zudem ist das Niveau der Fahrer wesentlich höher als früher. Schumacher fährt gegen zum Teil wesentlich jüngere Konkurrenten, die ihm in puncto Professionalität, technisches Verständnis und Fitness in nichts nachstehen. In Nico Rosberg hat er einen aus dieser neuen Generation in seinem Team - und der 16 Jahre jüngere Pilot war bislang dem Altmeister voraus.

Andererseits ist Mercedes GP mit dem MGP W01 nicht der große Wurf gelungen. Vor allem das Zusammenspiel mit den Reifen ist ein größeres Rätsel als bei anderen Teams. McLaren, Red Bull und auch Ferrari hatten von Beginn an einen technischen Vorsprung, den die Silbernen nur schwer aufholen können. Zumal sie mit einem kleineren Team als die Konkurrenz antraten.

«Unser Auto hat Potenzial. Es ist nur nicht in Harmonie mit den Reifen», sagt Schumacher. Aerodynamische Verbesserungen wie in Valencia werden durch den Ärger mit den Pneus verdeckt. Selbst Schumachers Weltmeister-Macher, Teamchef und «Superhirn» Ross Brawn hat noch keine Lösung parat.

Offiziell will - oder darf - niemand bei Mercedes das WM-Jahr abhaken. Doch nach vorn wird nur noch wenig gehen. 2011 ist das große Ziel. Dann auch weiter mit Michael Schumacher - und nicht wie eine italienische Webseite unsinnigerweise meldete, mit Renault-Pilot Robert Kubica. «Wir haben nicht mit Robert gesprochen», versicherte Brawn. «Wir sind glücklich mit Michael.» Auch wenn der Titelkampf in diesem Jahr so spannend wie selten zuvor ist, ohne Schumacher würde der Formel 1 ihre größte Reizfigur fehlen.

Brawn hofft auf Fortschritte von Schumacher

Der heutige 15. Platz im Qualifying in Valencia ist der bisherige Tiefpunkt von Michael Schumachers Comeback in der Formel 1. Der siebenfache Weltmeister würde am liebsten noch ein achtes Mal Weltmeister werden, doch davon ist er im Moment weit entfernt. Selbst das Top-10-Finale hat er zuletzt zweimal hintereinander verpasst.

Das liegt natürlich vor allem am zu wenig konkurrenzfähigen Mercedes MGP W01, doch wenn man von Nico Rosberg um mehr als eine halbe Sekunde besiegt wird und im Qualifyingduell mit 2:7 hinten liegt, muss es auch fahrerische Unterschiede geben: "Michael würde zugeben, dass er im Moment nicht dort ist, wo er gerne wäre", gesteht sogar Teamchef Ross Brawn gegenüber der 'BBC'. "In manchen Rennen sehen wir Fortschritte, in anderen nicht. Wir haben leider kein großartiges Auto, was ihm nicht gerade hilft."

Generell ist der Brite mit der Saison nicht zufrieden: "Wir haben nicht gut genug gearbeitet und vielleicht hatte auch die letztjährige Weltmeisterschaft ein bisschen Einfluss auf dieses Jahr. Wir wissen aber, wohin wir gehen und dass wir mehr Stabilität haben. Die Dinge sind jetzt insgesamt viel positiver für uns, weil alles in geregelten Bahnen läuft, und wir können wirklich an der Zukunft arbeiten", so Brawn.

Daraus, dass er mit den aktuellen Ergebnissen nicht zufrieden ist, macht er aber keinen Hehl: "Im Moment sind wir ein bisschen enttäuscht..."